|
 [Inhalt] SR 0.820.1 - Edition Optobyte AG |
| Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation vom 28. Juni 1919 (in der Fassung der Urkunde über die Abänderung der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation vom 9. Oktober 1946) |
|
Erklärung über die Ziele und Zwecke der Internationalen Arbeitsorganisation |
|
Die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation, die in Philadelphia zu ihrer 26. Tagung zusammengetreten ist, nimmt heute, am 10. Mai 1944, die vorliegende Erklärung an über die Ziele und Zwecke der Internationalen Arbeitsorganisation und über die Grundsätze, von denen sich die Politik ihrer Mitglieder sollte leiten lassen. |
|
Die Konferenz bekennt sich aufs neue zu den hauptsächlichen Grundsätzen, auf die sich die Organisation stützt. Sie lauten: |
|
a. Die Arbeit ist keine Ware. |
|
b. Die freie Meinungsäusserung und die Vereinigungsfreiheit sind unumgängliche Voraussetzungen eines stetigen Fortschrittes. |
|
c. Die Armut bildet überall, wo sie besteht, eine Gefahr für den allgemeinen Wohlstand. |
|
d. Der Kampf gegen die Not ist unermüdlich und mit dem Einsatz aller Kräfte zu führen, sowohl innerhalb jeder einzelnen Nation als auch international durch ständige gemeinschaftliche Bemühungen, wobei die Vertreter der Arbeitnehmer und der Arbeitgeber in gleichberechtigter Zusammenarbeit mit den Vertretern der Regierungen an freien Aussprachen und demokratisch gefassten Beschlüssen zur Förderung des allgemeinen Wohls teilnehmen. |
|
Die Konferenz ist davon überzeugt, dass die Erfahrung die Richtigkeit der in der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation enthaltenen Erklärung voll erwiesen hat, wonach ein dauerhafter Friede nur auf der Grundlage der sozialen Gerechtigkeit errichtet werden kann, und bestätigt deshalb: |
|
a. Alle Menschen, ohne Ansehen ihrer Rasse, ihres Glaubens oder ihres Geschlechtes, haben das Recht, an ihrem materiellen Fortschritt und ihrer geistigen Entwicklung in Freiheit und Würde, wirtschaftlich gesichert und unter gleichen Erfolgsmöglichkeiten zu arbeiten. |
|
b. Die Schaffung der hierzu notwendigen Voraussetzungen muss das Hauptziel aller nationalen und internationalen Politik sein. |
|
c. Alle nationalen und internationalen Aktionsprogramme und Massnahmen, hauptsächlich auf wirtschaftlichem und finanziellem Gebiet, sind unter diesem Gesichtspunkte zu beurteilen und nur so weit gutzuheissen, wie sie geeignet erscheinen, die Erreichung dieses hauptsächlichen Zweckes zu begünstigen, nicht aber zu hemmen. |
|
d. Es ist Sache der Internationalen Arbeitsorganisation, alle internationalen Aktionsprogramme und Massnahmen wirtschaftlicher und finanzieller Art im Lichte dieses hauptsächlichen Zweckes zu prüfen und zu erwägen. |
|
e. Bei Erfüllung der ihr anvertrauten Aufgaben kann die Internationale Arbeitsorganisation, nachdem sie alle massgebenden wirtschaftlichen und finanziellen Umstände berücksichtigt hat, in ihre Beschlüsse und Empfehlungen alle ihr angemessen erscheinenden Bestimmungen aufnehmen. |
|
Die Konferenz anerkennt die feierliche Verpflichtung der Internationalen Arbeitsorganisation, bei den verschiedenen Nationen der Erde die Verwirklichung von Programmen mit folgenden Zwecksetzungen zu unterstützen: |
|
a. Vollbeschäftigung und Verbesserung der Lebenshaltung; |
|
b. Beschäftigung der Arbeitnehmer mit einer Tätigkeit, die ihnen die Genugtuung bietet, ihre Fähigkeiten und Kenntnisse in vollem Umfang anzuwenden und am besten zum allgemeinen Wohl beitragen zu können; |
|
c. Verfolgung dieses Zieles durch Schaffung von Ausbildungsmöglichkeiten und durch Massnahmen, die geeignet sind, die Versetzung von Arbeitnehmern zu begünstigen, einschliesslich der Wanderbewegung von Arbeitern und Ansiedlern, wobei allen Beteiligten ausreichende Sicherheiten zu bieten wären; |
|
d. eine Regelung der Löhne und des Arbeitsverdienstes, der Arbeitszeit und der übrigen Arbeitsbedingungen, die jedermann einen gerechten Anteil an den Früchten des Fortschrittes und allen Arbeitnehmern, die eines solchen Schutzes bedürfen, den lebensnotwendigen Mindestlohn sichert; |
|
e. wirksame Anerkennung des Rechts zu Kollektivverhandlungen, Zusammenarbeit zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern zum Zwecke fortwährender Verbesserung der Organisation der Gütererzeugung und Zusammenwirken von Arbeitnehmern und Arbeitgebern bei der Vorbereitung und Durchführung der Sozial- und Wirtschaftspolitik; |
|
f. Ausdehnung der sozialen Sicherheitsmassnahmen, um allen ein Grundeinkommen zu gewährleisten, die einen solchen Schutz benötigen, ebenso wie vollständige ärztliche Betreuung; |
|
g. angemessener Schutz des Lebens und der Gesundheit der Arbeitnehmer in allen Tätigkeitsgebieten; |
|
h. Kinder- und Mütterschutz; |
|
i. Schaffung befriedigender Ernährungs- und Wohnverhältnisse sowie ausreichender Erholungs- und Bildungsmöglichkeiten; |
|
j. Gewährleistung gleicher Möglichkeiten in Erziehung und Beruf. |
|
Die Konferenz ist überzeugt, dass eine gründlichere und umfassendere Nutzung der wirtschaftlichen Hilfsquellen der Erde, die zur Verwirklichung der in dieser Erklärung aufgezählten Zwecke notwendig ist, durch eine wirksame Aktion auf internationalem und nationalem Boden und namentlich durch Massnahmen gewährleistet werden kann, die darauf abzielen, Gütererzeugung und -verbrauch zu steigern, ernstliche Wirtschaftsschwankungen zu verhüten, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung der noch wenig erschlossenen Gebiete herbeizuführen, eine Festigung der Weltpreise von Rohstoffen und Waren zu gewährleisten und einen ständigen, ausgedehnten Welthandel zu fördern. Die Konferenz sichert deshalb die vollständige Mitarbeit der Internationalen Arbeitsorganisation allen internationalen Einrichtungen zu, denen ein Teil der Verantwortung bei dieser gossen Aufgabe wie auch bei der Hebung des Gesundheits- und Bildungsstandes sowie der Wohlfahrt aller Völker anvertraut wird. |
|
Die Konferenz bestätigt, dass die in dieser Erklärung verkündeten Grundsätze auf alle Völker der Erde voll anwendbar sind und dass, wenn auch in der Art, wie dies geschieht, das Mass der sozialen und wirtschaftlichen Entwicklung jedes Volk gebührend berücksichtigt werden muss, ihre fortschreitende Anwendung auf die Völker, die noch abhängig sind, ebenso wie auf diejenigen, die den Zustand der Selbstverwaltung erreicht haben, für die gesamte Kulturwelt von Bedeutung ist. |
|
Der vorausgehende Text bildet die authentische Fassung der Urkunde von 1946 über die Abänderung der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation, welche die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation am 9. Oktober 1946 in Montreal im Verlaufe ihrer neunundzwanzigsten Tagung ordnungsgemäss angenommen hat. |
|
Der französische und der englische Wortlaut des Textes dieser Abänderungsurkunde sind in gleicher Weise massgebend. |
|
Dies haben am 1. November 1946 durch ihre Unterschriften beurkundet: |
|
Der Präsident der Konferenz:
|
|
Humphrey Mitchell
|
|
Der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes:
|
|
Edward Phelan
|
| Liste der Mitglieder der Organisation am 3. Dezember 2001 |
|
Mitglied seit
|
|
|
Afghanistan
|
1934
|
Ägypten
|
1936
|
Albanien
|
1920 bis 1967 und seit 1991
|
Algerien
|
1962
|
Angola
|
1976
|
Antigua und Barbuda
|
1982
|
Äquatorialguinea
|
1981
|
Argentinien
|
1919
|
Armenien
|
1992
|
Aserbaidschan
|
1992
|
Äthiopien
|
1923
|
Australien
|
1919
|
Bahamas
|
1976
|
Bahrain
|
1977
|
Bangladesch
|
1972
|
Barbados
|
1967
|
Belarus
|
1954
|
Belgien
|
1919
|
Belize
|
1981
|
Benin
|
1960
|
Bhutan
|
1971
|
Bolivien
|
1919
|
Bosnien und Herzegowina
|
1993
|
Botswana
|
1978
|
Brasilien
|
1919
|
Bulgarien
|
1920
|
Burkina Faso
|
1960
|
Burundi
|
1963
|
Chile
|
1919
|
China
|
1919
|
Costa Rica
|
1920 bis 1927 und seit 1944
|
Côte d’Ivoire
|
1960
|
Dänemark
|
1920
|
Deutschland
|
1919 bis 1935 und seit 1951
|
Dschibuti
|
1978
|
Dominica
|
1982
|
Dominikanische Republik
|
1924
|
Ekuador
|
1934
|
El Salvador
|
1920 bis 1939 und seit 1948
|
Eritrea
|
1993
|
Estland
|
1992
|
Fidschi
|
1974
|
Finnland
|
1920
|
Frankreich
|
1919
|
Gabun
|
1960
|
Gambia
|
1995
|
Georgien
|
1993
|
Ghana
|
1957
|
Grenada
|
1979
|
Griechenland
|
1919
|
Guatemala
|
1919 bis 1938 und seit 1945
|
Guinea
|
1959
|
Guinea-Bissau
|
1977
|
Guyana
|
1966
|
Haiti
|
1919
|
Honduras
|
1919 bis 1938 und seit 1955
|
Indien
|
1919
|
Indonesien
|
1950
|
Irak
|
1932
|
Iran
|
1919
|
Irland
|
1923
|
Island
|
1945
|
Israel
|
1949
|
Italien
|
1919 bis 1939 und seit 1945
|
Jamaika
|
1962
|
Japan
|
1919 bis 1940 und seit 1951
|
Jemen
|
1965
|
Jordanien
|
1956
|
Jugoslawien
|
1919 bis 1949 und seit 1951
|
Kambodscha
|
1969
|
Kamerun
|
1960
|
Kanada
|
1919
|
Kapverden
|
1979
|
Kasachstan
|
1993
|
Katar
|
1972
|
Kenia
|
1964
|
Kirgisistan
|
1992
|
Kiribati
|
2000
|
Kolumbien
|
1920
|
Komoren
|
1978
|
Kongo (Brazzaville)
|
1960
|
Kongo (Kinshasa)
|
1960
|
Korea (Süd)
|
1991
|
Kroatien
|
1992
|
Kuba
|
1919
|
Kuwait
|
1961
|
Laos
|
1964
|
Lesotho
|
1966 bis 1971 und seit 1980
|
Lettland
|
1991
|
Libanon
|
1948
|
Liberia
|
1919
|
Libyen
|
1952
|
Litauen
|
1991
|
Luxemburg
|
1920
|
Madagaskar
|
1960
|
Malawi
|
1965
|
Malaysia
|
1957
|
Mali
|
1960
|
Malta
|
1965
|
Marokko
|
1956
|
Mauretanien
|
1961
|
Mauritius
|
1969
|
Mazedonien
|
1993
|
Mexiko
|
1931
|
Moldova
|
1992
|
Mongolei
|
1968
|
Mosambik
|
1976
|
Myanmar
|
1948
|
Namibia
|
1978
|
Nepal
|
1966
|
Neuseeland
|
1919
|
Nicaragua
|
1919 bis 1938 und seit 1957
|
Niederlande
|
1919
|
Niger
|
1961
|
Nigeria
|
1960
|
Norwegen
|
1919
|
Oman
|
1994
|
Österreich
|
1919 bis 1938 und seit 1947
|
Pakistan
|
1947
|
Panama
|
1919
|
Papua-Neuguinea
|
1976
|
Paraguay
|
1919 bis 1937 und seit 1956
|
Peru
|
1919
|
Philippinen
|
1948
|
Polen
|
1919
|
Portugal
|
1919
|
Ruanda
|
1962
|
Rumänien
|
1919 bis 1942 und seit 1956
|
Russland
|
1934 bis 1940 und seit 1954
|
Salomon-Inseln
|
1984
|
Sambia
|
1964
|
San Marino
|
1982
|
Sao Tomé und Principe
|
1982
|
Saudi-Arabien
|
1976
|
Schweden
|
1919
|
Schweiz
|
1920
|
Senegal
|
1960
|
Seychellen
|
1977
|
Sierra Leone
|
1961
|
Simbabwe
|
1980
|
Singapur
|
1965
|
Slowakei
|
1993
|
Slowenien
|
1992
|
Somalia
|
1960
|
Spanien
|
1920 bis 1941 und seit 1956
|
Sri Lanka
|
1948
|
St. Kitts und Nevis
|
1996
|
St. Lucia
|
1980
|
St. Vincent und die Grenadinen
|
1995
|
Südafrika
|
1919 bis 1966 und seit 1994
|
Sudan
|
1956
|
Suriname
|
1976
|
Swasiland
|
1975
|
Syrien
|
1947
|
Tadschikistan
|
1993
|
Tansania
|
1962
|
Thailand
|
1919
|
Togo
|
1960
|
Trinidad und Tobago
|
1963
|
Tschad
|
1960
|
Tschechische Republik
|
1993
|
Tunesien
|
1956
|
Türkei
|
1932
|
Turkmenistan
|
1993
|
Uganda
|
1963
|
Ukraine
|
1954
|
Ungarn
|
1922
|
Uruguay
|
1919
|
Usbekistan
|
1992
|
Venezuela
|
1920 bis 1957 und seit 1958
|
Vereinigte Arabische Emirate
|
1972
|
Vereinigte Staaten
|
1934 bis 1977 und seit 1980
|
Vereinigtes Königreich
|
1919
|
Vietnam
|
1950 bis 1985 und seit 1992
|
Zentralafrikanische Republik
|
1960
|
Zypern
|
1960
|
|
|
|
|
|
 [Inhalt] SR 0.820.1 - Edition Optobyte AG |