Übersetzung1
Übereinkommen Nr. 16 über die pflichtmässige ärztliche Untersuchung der in der Seeschifffahrt beschäftigten Kinder und Jugendlichen
Angenommen in Genf am 11. November 1921 Geändert durch das Übereinkommen Nr. 802 Von der Bundesversammlung genehmigt am 17. März 19603 Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 21. April 1960 In Kraft getreten für die Schweiz am 21. April 1960 Geändert durch das Übereinkommen Nr. 1164
(Stand am 21. Mai 2010)
Die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation,
die vom Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes nach Genf einberufen wurde und am 25. Oktober 1921 zu ihrer dritten Tagung zusammengetreten ist,
hat beschlossen, verschiedene Anträge anzunehmen betreffend die pflichtmässige ärztliche Untersuchung der in der Seeschifffahrt beschäftigten Kinder und Jugendlichen, eine Frage, die zum achten Gegenstand ihrer Tagesordnung gehört, und
dabei bestimmt, dass diese Anträge die Form eines internationalen Übereinkommens erhalten sollen.
Die Konferenz nimmt das folgende Übereinkommen an, das als Übereinkommen über die ärztliche Untersuchung der Jugendlichen (Seeschifffahrt), 1921, bezeichnet wird, zwecks Ratifikation durch die Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation nach den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation5:


Art. 1

Im Sinne dieses Übereinkommens umfasst der Ausdruck «Schiff» Schiffe und Boote aller Art, die in der Seeschifffahrt verwendet werden, gleichviel ob sie in öffentlichem oder privatem Eigentum stehen. Kriegsschiffe gehören nicht dazu.


Art. 2

Kinder und Jugendliche unter achtzehn Jahren dürfen an Bord von Schiffen nur dann beschäftigt werden, wenn sie über ihre Eignung zu solcher Arbeit ein ärztliches Zeugnis vorgelegt haben, das durch einen von der zuständigen Stelle anerkannten Arzt unterzeichnet ist. Dies gilt nicht für Schiffe, auf denen lediglich Mitglieder derselben Familie beschäftigt sind.


Art. 3

Die Beschäftigung der Kinder und Jugendlichen auf See darf nur fortgesetzt werden, wenn die ärztliche Untersuchung wenigstens einmal im Jahre wiederholt und nach jeder neuen Untersuchung ein ärztliches Zeugnis über die Eignung zur Arbeit auf See vorgelegt wird. Würde danach die Gültigkeitsdauer eines ärztlichen Zeugnisses während einer Reise ablaufen, so bleibt es bis zum Ende der Reise in Kraft.


Art. 4

In dringenden Fällen kann die zuständige Stelle Jugendlichen unter achtzehn Jahren gestatten, ohne die in Artikel 2 und 3 dieses Übereinkommens vorgesehene Untersuchung an Bord zu gehen, sofern die Untersuchung in dem ersten Hafen, den das Schiff anläuft, nachgeholt wird.


Art. 5

Die förmlichen Ratifikationen dieses Übereinkommens sind nach den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation dem Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes zur Eintragung mitzuteilen.


Art. 6

1 Dieses Übereinkommen tritt in Kraft, sobald die Ratifikationen zweier Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation durch den Generaldirektor eingetragen worden sind.
2 Es bindet nur diejenigen Mitglieder, deren Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen ist.
3 In der Folge tritt dieses Übereinkommen für jedes andere Mitglied mit dem Tag in Kraft, an dem seine Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen worden ist.


Art. 7

Sobald die Ratifikationen zweier Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen sind, teilt der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes dies sämtlichen Mitgliedern der Internationalen Arbeitsorganisation mit. Auch gibt er ihnen Kenntnis von der Eintragung der Ratifikationen, die ihm später von andern Mitgliedern der Organisation mitgeteilt werden.


Art. 8

vorbehaltlich der Bestimmungen des Artikels 6 verpflichtet sich jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, die Bestimmungen der Artikel 1, 2, 3 und 4 spätestens am 1. Januar 1924 in Geltung zu setzen und die zu ihrer Durchführung nötigen Massnahmen zu treffen.


Art. 9

Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, das dieses Übereinkommen ratifiziert, verpflichtet sich, es in seinen Kolonien, Besitzungen und Protektoraten nach den Bestimmungen des Artikels 35 der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation6 anzuwenden.


Art. 10

Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert hat, kann es nach Ablauf von zehn Jahren, gerechnet von dem Tag, an dem es zum ersten Mal in Kraft getreten ist, durch Anzeige an den Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes kündigen. Die Kündigung wird von diesem eingetragen. Ihre Wirkung tritt erst ein Jahr nach der Eintragung beim Internationalen Arbeitsamt ein.


Art. 117

Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat, sooft er es für nötig erachtet, der Allgemeinen Konferenz einen Bericht über die Durchführung dieses Übereinkommens zu erstatten und zu prüfen, ob die Frage seiner gänzlichen oder teilweisen Abänderung auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt werden soll.


Art. 12

Der französische und der englische Wortlaut dieses Übereinkommens sind in gleicher Weise massgebend.
(Es folgen die Unterschriften)
Geltungsbereich am 21. Mai 20108

 

 

 

 

 
Vertragsstaaten
Ratifikation
Nachfolgeerklärung (N)

Inkrafttreten


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Albanien
3. Juni
1957
3. Juni
1957
Argentinien
26. Mai
1936
26. Mai
1936
Aserbaidschan
19. Mai
1992 N
19. Mai
1992
Australien
28. Juni
1935
28. Juni
1935
Bangladesch
22. Juni
1972 N
22. Juni
1972
Belarus
6. November
1956
6. November
1956
Belgien
19. Juli
1926
19. Juli
1926
Belize
15. Dezember
1983 N
15. Dezember
1983
Bosnien und Herzegowina
2. Juni
1993 N
2. Juni
1993
Brasilien
8. Juni
1936
8. Juni
1936
Bulgarien
6. März
1925
6. März
1925
Chile
18. Oktober
1935
18. Oktober
1935
China
2. Dezember
1936
2. Dezember
1936
Hongkonga b
6. Juni
1997
1. Juli
1997
Macauc
13. Juli
1999
20. Dezember
1999
Costa Rica
23. Juli
1991
23. Juli
1991
Dänemark
23. April
1938
23. April
1938
Färöer
23. April
1938
23. April
1938
Grönland
31. Mai
1954
31. Mai
1954
Deutschland
11. Juni
1929
11. Juni
1929
Dominica
28. Februar
1983 N
28. Februar
1983
Dschibuti
3. August
1978 N
3. August
1978
Estland
8. September
1922
8. September
1922
Finnland
10. Oktober
1925
10. Oktober
1925
Frankreich
22. März
1928
22. März
1928
Französisch Guyana
27. November
1974
27. November
1974
Französisch Polynesien
27. November
1974
27. November
1974
Französische Süd- und
Antarktisgebiete
13. März
1990
13. März
1990
Guadeloupe
27. November
1974
27. November
1974
Martinique
27. November
1974
27. November
1974
Neukaledonien
27. November
1974
27. November
1974
Réunion
27. November
1974
27. November
1974
St. Pierre und Miquelon
27. November
1974
27. November
1974
Ghana
20. Mai
1957 N
20. Mai
1957
Grenada
9. Juli
1979 N
9. Juli
1979
Griechenland
28. Juni
1930
28. Juni
1930
Guatemala
13. Juni
1989
13. Juni
1989
Guinea
12. Dezember
1966
12. Dezember
1966
Indien
20. November
1922
20. November
1922
Irak
19. April
1966
19. April
1966
Irland
5. Juli
1930
5. Juli
1930
Italien
8. September
1924
8. September
1924
Jamaika
26. Dezember
1962 N
26. Dezember
1962
Japan
7. Juni
1924
7. Juni
1924
Jemen
14. April
1969 N
30. November
1967
Kamerun
3. September
1962 N
3. September
1962
Kanada
31. März
1926
31. März
1926
Kenia
9. Februar
1971
9. Februar
1971
Kirgisistan
31. März
1992 N
31. März
1992
Kolumbien
20. Juni
1933
20. Juni
1933
Kroatien
8. Oktober
1991 N
8. Oktober
1991
Kuba
7. Juli
1928
7. Juli
1928
Lettland
9. September
1924
9. September
1924
Luxemburg
16. April
1928
16. April
1928
Malaysia
3. März
1964 N
3. März
1964
Malta
4. Januar
1965 N
4. Januar
1965
Mauritius
2. Dezember
1969 N
2. Dezember
1969
Mazedonien
17. November
1991 N
17. November
1991
Mexiko
9. März
1938
9. März
1938
Montenegro
3. Juni
2006 N
3. Juni
2006
Myanmar
18. Mai
1948 N
18. Mai
1948
Neuseeland
5. Dezember
1961
5. Dezember
1961
Nicaragua
12. April
1934
12. April
1934
Niederlande
9. März
1928
9. März
1928
Nigeria
17. Oktober
1960 N
17. Oktober
1960
Norwegen
5. Dezember
1980
5. Dezember
1980
Pakistan
31. Oktober
1947 N
31. Oktober
1947
Panama
19. Juni
1970
19. Juni
1970
Polen
21. Juni
1924
21. Juni
1924
Rumänien
18. August
1923
18. August
1923
Russland
10. August
1956
10. August
1956
Salomoninseln
6. August
1985 N
6. August
1985
Schweden
14. Juli
1925
14. Juli
1925
Schweiz
21. April
1960
21. April
1960
Serbien
24. November
2000 N
1. April
1927
Seychellen
6. Februar
1978 N
6. Februar
1978
Sierra Leone
13. Juni
1961 N
13. Juni
1961
Singapur
25. Oktober
1965 N
25. Oktober
1965
Slowenien
29. Mai
1992 N
29. Mai
1992
Somaliad
18. November
1960 N
18. November
1960
Spanien
20. Juni
1924
20. Juni
1924
Sri Lanka
25. April
1951
25. April
1951
St. Lucia
14. Mai
1980 N
14. Mai
1980
St. Vincent und die Grenadinen
21. Oktober
1998 N
31. Mai
1995
Tadschikistan
26. November
1993 N
26. November
1993
Tansania
22. Juni
1964 N
10. Dezember
1963
Trinidad und Tobago
24. Mai
1963 N
24. Mai
1963
Tunesien
14. April
1970
14. April
1970
Ukraine
14. September
1956
14. September
1956
Ungarn
1. März
1928
1. März
1928
Uruguay
6. Juni
1933
6. Juni
1933
Vereinigtes Königreich
8. März
1926
8. März
1926
Bermudas
27. März
1950
15. Juni
1974
Gibraltar
27. März
1950
15. Juni
1974
Guernsey
27. März
1950
15. Juni
1974
Insel Man
27. März
1950
15. Juni
1974
Jersey
27. März
1950
15. Juni
1974
Montserrat
5. Juli
1962
15. Juni
1974
St. Helena
27. März
1950
15. Juni
1974
Zypern
23. September
1960 N
16. September
1960

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
a
Vom 15. Juni 1974 bis zum 30. Juni 1997 war das Übereink. auf Grund einer
Ausdehnungserklärung des Vereinigten Königreichs in Hongkong anwendbar. Seit dem
1. Juli 1997 bildet Hongkong eine Besondere Verwaltungsregion (SAR) der
Volksrepublik China. Auf Grund der chinesischen Erklärung vom 6. Juni 1997 ist das Übereink. seit dem 1. Juli 1997 auch in der SAR Hongkong anwendbar.
b
Anwendbar ohne Änderungen.
c
Auf Grund einer Erklärung der Volksrepublik China vom 13. Juli 1997 ist das Übereink. seit dem 20. Dez. 1999 auf die Besondere Verwaltungsregion (SAR) Macau anwendbar.
d
Die aus dem Übereink. Nr. 16 sich ergebenden Verpflichtungen, die für das frühere Gebiet unter Schutzherrschaft galten, sind auf das gesamte Gebiet von Somalia
ausgedehnt worden.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


1 Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der entsprechenden Ausgabe dieser Sammlung.
2 SR 0.822.719.0
3 Abs. 1 Bst. c des BB vom 17. März 1960 (AS 1960 461)
4 SR 0.822.721.6 Art. 1
5 SR 0.820.1
6 SR 0.820.1
7 Fassung gemäss Art. 1 des Übereink. Nr. 116 vom 26. Juni 1961, von der BVers genehmigt am 2. Okt. 1962 (SR 0.822.721.6).
8 AS 1973 1641, 1975 2486, 1982 512, 1985 1771, 1991 85, 2005 1741 und 2010 3169. Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereiches findet sich auf der Internetseite des EDA (http://www.eda.admin.ch/vertraege).

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