0.832.21
Internationales Übereinkommen Nr. 18 über die Entschädigung aus Anlass von Berufskrankheiten
Angenommen in Genf am 10. Juni 19251 Von der Bundesversammlung genehmigt am 9. Juni 19272 Ratifikationsurkunde von der Schweiz hinterlegt am 16. November 1927 In Kraft getreten für die Schweiz am 16. November 1927
(Stand am 9. Juli 2008)
Die vom Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes nach Genf einberufene und hier am 19. Mai 1925 zu ihrer siebenten Tagung versammelte Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation nimmt heute, am 10 Juni 1925, das nachstehende Übereinkommen an, das als Übereinkommen über Berufskrankheiten (1925) bezeichnet wird.
Sie stützt sich dabei auf ihren Beschluss über die Annahme verschiedener Anträge betreffend die Entschädigung aus Anlass von Berufskrankheiten, eine Frage, die zum ersten Verhandlungsgegenstand der Tagung gehört,
sowie ferner auf ihren Beschluss, diese Anträge in Form eines internationalen Übereinkommens zu fassen.
Das Übereinkommen ist den Mitgliedern der Internationalen Arbeitsorganisation gemäss den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation zur Ratifikation vorzulegen.


Art. 1

1. Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, das dieses Übereinkommen ratifiziert, verpflichtet sich, Arbeitnehmern, die durch Berufskrankheiten erwerbsunfähig geworden sind, oder ihren Hinterbliebenen eine Entschädigung nach den allgemeinen Grundsätzen seiner Gesetzgebung über die Entschädigung aus Anlass von Betriebsunfällen zu sichern.3
2. Die Entschädigungssätze dürfen nicht geringer sein als diejenigen, welche die Gesetze des Landes für die aus Betriebsunfällen entstandenen Schäden vorsehen. Mit dieser Einschränkung steht es jedem Mitglied frei, bei der gesetzlichen Regelung der Entschädigung für die in Frage stehenden Krankheiten und bei der Unterstellung dieser Krankheiten unter die Gesetzgebung über die Entschädigung aus Anlass von Betriebsunfällen die zweckdienlichen Änderungen und Anpassungen vorzunehmen.


Art. 2

Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, das dieses Übereinkommen ratifiziert, verpflichtet sich, als Berufskrankheiten die Krankheiten und Vergiftungen zu betrachten, die durch die im nachstehenden Verzeichnis angeführten Stoffe verursacht sind, falls derartige Krankheiten oder Vergiftungen bei Arbeitnehmern der im Verzeichnis an entsprechender Stelle angeführten Gewerbe oder Berufe auftreten und durch die Beschäftigung in einem der Gesetzgebung des Landes unterstellten Betrieb hervorgerufen worden sind.
Verzeichnis
der Erkrankungen und Giftstoffe:

 
der entsprechenden Gewerbe
und Verfahren:
Vergiftungen durch Blei, dessen
Legierungen und Verbindungen
sowie unmittelbare Folgen dieser Vergiftungen.

 
Behandlung bleihaltiger Erze, einschliesslich bleihaltiger Rückstände
in Zinkwerken.
Einschmelzen von altem Zink und Blei
zu Barren.

 

 
Herstellung von Gegenständen aus
geschmolzenem Blei oder bleihaltigen Legierungen.
Polygraphische Gewerbe.
Herstellung von Bleiverbindungen.
Herstellung und Ausbesserung elektrischer Akkumulatoren.
Zubereitung und Verwendung
von bleihaltigen Emaillen.

 

 
Polieren mit Bleispänen oder bleihaltigen Stoffen.
Anstreicharbeiten, bei denen bleihaltige Streichmittel, Kitte oder Farben zubereitet oder gebraucht werden.
Vergiftungen durch Quecksilber,
dessen Legierungen und Verbindungen sowie unmittelbare Folgen dieser Vergiftungen.

 
Behandlung von quecksilberhaltigen Mineralien.
Herstellung von Quecksilberverbindungen.
Herstellung von Mess-
und Laboratoriumsapparaten.


Zubereitung der Rohstoffe für die Hutmacherei.
Feuervergoldung.
Verwendung von Quecksilberpumpen für die Herstellung von Glühlampen.
Herstellung von Knallquecksilberzündern.
Ansteckung durch Milzbrand.

 
Arbeiten bei milzbrandverseuchten
Tieren.
Behandlung von Tierleichen oder
tierischen Abfällen.
Ein- und Ausladen sowie Beförderung solcher Waren.


Art. 3

Die förmlichen Ratifikationen dieses Übereinkommens sind nach den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation dem Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes zur Eintragung mitzuteilen.


Art. 4

1. Dieses Übereinkommen tritt in Kraft, sobald die Ratifikationen von zwei Mitgliedern der Internationalen Arbeitsorganisation durch den Generaldirektor eingetragen worden sind.
2. Es bindet nur diejenigen Mitglieder, deren Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen ist.
3. In der Folge tritt für jedes andere Mitglied dieses Übereinkommen mit dem Tage in Kraft, an dem seine Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen worden ist.


Art. 5

Sobald die Ratifikation durch zwei Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen ist, teilt der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes dies sämtlichen Mitgliedern der Internationalen Arbeitsorganisation mit. Er gibt ihnen gleichfalls Kenntnis von der Eintragung der Ratifikationen, die ihm später von anderen Mitgliedern der Organisation mitgeteilt werden.


Art. 6

Vorbehältlich der Bestimmungen des Art. 4 verpflichtet sich jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, die Bestimmungen der Art. 1 und 2 spätestens am 1. Januar 1927 anzuwenden und die zu ihrer Durchführung nötigen Massnahmen zu treffen.


Art. 7

Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, das dieses Übereinkommen ratifiziert, verpflichtet sich, es in seinen Kolonien, Besitzungen und Protektoraten gemäss den Bestimmungen des Art. 35 der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation anzuwenden.


Art. 8

Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert hat, kann es nach Ablauf von fünf Jahren, gerechnet von dem Tage, an dem es zum ersten Mal in Kraft tritt, durch eine an den Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes zu richtende und von ihm einzutragende Anzeige kündigen. Die Wirkung dieser Kündigung tritt erst ein Jahr nach ihrer Eintragung beim Internationalen Arbeitsamt ein.


Art. 94

Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat, sooft er es für nötig erachtet, der Allgemeinen Konferenz einen Bericht über die Durchführung dieses Übereinkommens zu erstatten und zu prüfen, ob die Frage seiner gänzlichen oder teilweisen Abänderung auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt werden soll.


Art. 10

Der französische und der englische Wortlaut dieses Übereinkommens sind in gleicher Weise massgebend.
(Es folgen die Unterschriften)
Geltungsbereich am 9. Juli 20085

 

 

 

 

 
Vertragsstaaten
Ratifikation
Nachfolgeerklärung (N)

Inkrafttreten


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Ägypten
10. Mai
1960
10. Mai
1960
Algerien
19. Oktober
1962 N
19. Oktober
1962
Angola
4. Juni
1976 N
4. Juni
1976
Argentinien
24. September
1956
24. September
1956
Armenien
18. Mai
2006
18. Mai
2006
Australien
22. April
1959
22. April
1959
Norfolk-Insela
8. Februar
1996
8. Februar
1996
Bangladesch
22. Juni
1972 N
22. Juni
1972
Belgien
3. Oktober
1927
3. Oktober
1927
Benin
12. Dezember
1960 N
12. Dezember
1960
Bosnien und Herzegowina
2. Juni
1993 N
2. Juni
1993
Bulgarien
5. September
1929
5. September
1929
Burkina Faso
21. November
1960 N
21. November
1960
Burundi
11. März
1963 N
11. März
1963
China

 

 

 

 
Macaua b
20. Dezember
1999
20. Dezember
1999
Côte d’Ivoire
21. November
1960 N
21. November
1960
Dänemark
18. Juni
1934
18. Juni
1934
Färöer
18. Juni
1934
18. Juni
1934
Deutschland
18. September
1928
18. September
1928
Dschibuti
3. August
1978 N
3. August
1978
Finnland
17. September
1927
17. September
1927
Frankreich
13. August
1931
13. August
1931
Französisch Guyana
15. März
1938
15. März
1938
Französisch Polynesien
27. November
1974
27. November
1974
Guadeloupe
15. März
1938
15. März
1938
Komoren
27. November
1974
27. November
1974
Martinique
15. März
1938
15. März
1938
Neukaledonien
27. November
1974
27. November
1974
Réunion
15. März
1938
15. März
1938
St. Pierre und Miquelon
27. November
1974
27. November
1974
Guinea
21. Januar
1959 N
21. Januar
1959
Guinea-Bissau
21. Februar
1977
21. Februar
1977
Indien
30. September
1927
30. September
1927
Irak
26. November
1938
26. November
1938
Italien
22. Januar
1934
22. Januar
1934
Japan
8. Oktober
1928
8. Oktober
1928
Kolumbien
20. Juni
1933
20. Juni
1933
Komoren
23. Oktober
1978 N
23. Oktober
1978
Kongo (Kinshasa)
20. September
1960 N
20. September
1960
Kroatien
8. Oktober
1991 N
8. Oktober
1991
Kuba
6. August
1928
6. August
1928
Lettland
29. November
1929
29. November
1929
Luxemburg
16. April
1928
16. April
1928
Mali
22. September
1960 N
22. September
1960
Marokko
20. September
1956
20. September
1956
Mauretanien
20. Juni
1961 N
20. Juni
1961
Mazedonien
17. November
1991 N
17. November
1991
Montenegro
3. Juni
2006
3. Juni
2006
Mosambik
6. Juni
1977
6. Juni
1977
Myanmar
30. September
1927
30. September
1927
Nauru
5. September
1968 N
5. September
1968
Nicaragua
12. April
1934
12. April
1934
Niger
27. Februar
1961 N
27. Februar
1961
Norwegen
11. Juni
1929
11. Juni
1929
Österreich
29. September
1928
29. September
1928
Pakistan
30. September
1927
30. September
1927
Papua-Neuguinea
1. Mai
1976 N
1. Mai
1976
Polen
3. November
1937
3. November
1937
Portugal
27. März
1929
27. März
1929
Ruanda
18. September
1962 N
18. September
1962
Sambia
22. Februar
1965
22. Februar
1965
São Tomé und Príncipe
1. Juni
1982
1. Juni
1982
Schweiz
16. November
1927
16. November
1927
Serbien
24. November
2000 N
24. November
2000
Slowakei
1. Januar
1993 N
1. Januar
1993
Slowenien
29. Mai
1992 N
29. Mai
1992
Spanien
29. September
1932
29. September
1932
Sri Lanka
17. Mai
1952
17. Mai
1952
Syrien
10. Mai
1960 N
10. Mai
1960
Tschechische Republik
1. Januar
1993 N
1. Januar
1993
Tunesien
12. Januar
1959
12. Januar
1959
Ungarn
19. April
1928
19. April
1928
Zentralafrikanische Republik
9. Juni
1964
9. Juni
1964

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
a
Das Übereink. ist mit Ausnahme der Änderungen vom 9. Okt. 1946 und 26. Juni 1961 auf die Norfolk Insel und Macau anwendbar.
b
Vom 4. Okt. 1999 bis zum 19. Dez. 1999 war das Übereink. auf Grund einer
Ausdehnungserklärung Portugals in Macau anwendbar. Seit dem 20. Dez. 1999 bildet Macau eine Besondere Verwaltungsregion (SAR) der Volksrepublik China. Auf Grund der chinesischen Erklärung vom 13. Juli 1999 ist das Übereink. seit dem 20. Dez. 1999 auch in der SAR Macau anwendbar.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 


1 Das Übereink. wurde von der siebenten Internationalen Arbeitskonferenz angenommen und ist vom Vorsitzenden der Konferenz und vom Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes unterzeichnet. Die einzelnen Staaten wurden erst verpflichtet mit der Hinterlegung ihrer Ratifikationsurkunde (Art. 4). Infolge Auflösung des Völkerbundes und Abänderung der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation wurden gewisse Abänderungen an diesem Übereink. nötig, um die Durchführung der Kanzleiaufgaben, die ursprünglich dem Generalsekretär des Völkerbundes übertragen waren, sicherzustellen. Diese durch das Übereink. vom 9. Oktober 1946 (SR 0.822.719.0) vorgenommenen Abänderungen sind im vorliegenden Text berücksichtigt.
2 Ziff. I Bst. a des BB vom 9. Juni 1927 (BS 14 67)
3 Siehe Art. 9 UVG (SR 832.20) und die Vf des EDI vom 26. Dez. 1960 (SR 832.321.11).
4 Fassung gemäss Art. des Übereink. Nr. 116 vom 26. Juni 1961, genehmigt durch die BVers am 2. Okt. 1962 (AS 1962 1359 1357; BBl 1962 I 1365).
5 Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereiches findet sich auf der Internetseite des EDA (http://www.eda.admin.ch/vertraege).

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