Übersetzung1
Übereinkommen (Nr. 8) betreffend die Gewährung einer Entschädigung für Arbeitslosigkeit infolge von Schiffbruch
Angenommen in Genua am 9. Juli 1920 Geändert durch das Übereinkommen Nr. 802 Von der Bundesversammlung genehmigt am 17. März 19603 Schweizerische Ratifikationsurkunde hinterlegt am 21. April 1960 In Kraft getreten für die Schweiz am 21. April 1960
(Stand am 6. Mai 2009)
Die Allgemeine Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation,
die vom Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes auf den 15. Juni 1920 nach Genua einberufen wurde,
hat beschlossen, verschiedene Anträge anzunehmen betreffend «die Überwachung der Bestimmungen des Heuervertrages, Arbeitsvermittlung für Schiffsleute, Anwendung des in Washington im November des Vorjahres angenommenen Übereinkommens und der dort aufgestellten Empfehlungen betreffend Arbeitslosigkeit und Arbeitslosenversicherung auf die Schiffsleute», Fragen, die den zweiten Gegenstand der Tagesordnung der Konferenz von Genua bilden, und
dabei bestimmt, dass diese Anträge die Form eines internationalen Übereinkommens erhalten sollen.
Die Konferenz nimmt das folgende Übereinkommen an, das als Übereinkommen über die Arbeitslosenentschädigung (Schiffbruch), 1920, bezeichnet wird, zwecks Ratifikation durch die Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation nach den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation4:


Art. 1

1. Im Sinne dieses Übereinkommens umfasst der Ausdruck «Schiffsmann» alle Personen, die an Bord eines in der Seeschiffahrt verwendeten Schiffes beschäftigt sind.
2. Im Sinne dieses Übereinkommens umfasst der Ausdruck «Schiff» Schiffe und Boote aller Art, die in der Seeschiffahrt verwendet werden, gleichviel ob sie in öffentlichem oder privatem Eigentum stehen; Kriegsschiffe gehören nicht dazu.


Art. 2

1. Bei Verlust eines Schiffes durch Schiffbruch hat der Reeder oder derjenige, mit dem der Schiffsmann einen Vertrag über seine Beschäftigung an Bord des Schiffes abgeschlossen hat, jedem auf diesem Schiffe beschäftigten Schiffsmann eine Entschädigung für die Arbeitslosigkeit zu gewähren, die infolge des Verlustes des Schiffes durch Schiffbruch entsteht.
2. Diese Entschädigung ist für jeden Tag tatsächlicher Arbeitslosigkeit des Schiffsmannes zu leisten, und zwar in der Höhe der vertragsmässig bedungenen Heuer. Doch kann der Gesamtbetrag der an den einzelnen Schiffsmann auf Grund dieses Übereinkommens zu leistenden Entschädigung auf den Betrag der doppelten Monatsheuer beschränkt werden.


Art. 3

Diese Entschädigungen geniessen die gleichen Vorrechte wie die während des Dienstes erworbenen Heueransprüche.


Art. 4

1. Jedes Mitglied der Internationalen Arbeitsorganisation, das dieses Übereinkommen ratifiziert, verpflichtet sich, es für diejenigen seiner Kolonien, Besitzungen und Protektorate, die keine völlige Selbstregierung haben, in Kraft zu setzen, jedoch unter den folgenden Vorbehalten:
a. Die Anwendbarkeit des Übereinkommens darf nicht durch die örtlichen Verhältnisse ausgeschlossen sein;
b. die für die Anpassung des Übereinkommens an die örtlichen Verhältnisse erforderlichen Abänderungen dürfen ihm eingefügt werden.
2. Jedes Mitglied hat dem Internationalen Arbeitsamt sein Vorgehen hinsichtlich seiner einzelnen Kolonien, Besitzungen und Protektorate, die keine völlige Selbstregierung haben, mitzuteilen.


Art. 5

Die förmlichen Ratifikationen dieses Übereinkommens sind nach den Bestimmungen der Verfassung der Internationalen Arbeitsorganisation dem Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes zur Eintragung mitzuteilen.


Art. 6

Sobald die Ratifikationen zweier Mitglieder der Internationalen Arbeitsorganisation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen sind, teilt der Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes dies sämtlichen Mitgliedern der Internationalen Arbeitsorganisation mit.


Art. 7

Dieses Übereinkommen tritt mit dem Tage in Kraft, an dem diese Mitteilung durch den Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes stattgefunden hat. Es bindet nur diejenigen Mitglieder, die ihre Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt haben eintragen lassen. In der Folge tritt dieses Übereinkommen für jedes andere Mitglied mit dem Tag in Kraft, an dem seine Ratifikation beim Internationalen Arbeitsamt eingetragen worden ist.


Art. 8

Vorbehaltlich der Bestimmungen des Artikels 7 verpflichtet sich jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert, seine Bestimmungen spätestens am 1. Juli 1922 in Geltung zu setzen und die zu ihrer Durchführung nötigen Massnahmen zu treffen.


Art. 9

Jedes Mitglied, das dieses Übereinkommen ratifiziert hat, kann es nach Ablauf von zehn Jahren, gerechnet von dem Tag, an dem es zum ersten Mal in Kraft getreten ist, durch Anzeige an den Generaldirektor des Internationalen Arbeitsamtes kündigen. Die Kündigung wird von diesem eingetragen. Ihre Wirkung tritt erst ein Jahr nach der Eintragung beim Internationalen Arbeitsamt ein.


Art. 105

Der Verwaltungsrat des Internationalen Arbeitsamtes hat sooft er es für nötig erachtet, der Allgemeinen Konferenz einen Bericht über die Durchführung dieses Übereinkommens zu erstatten und zu prüfen, ob die Frage seiner gänzlichen oder teilweisen Abänderung auf die Tagesordnung der Konferenz gesetzt werden soll.


Art. 11

Der französische und der englische Wortlauf dieses Übereinkommens sind in gleicher Weise massgebend.


Geltungsbereich am 6. Mai 20096

 

 

 

 

 
Vertragsstaaten
Ratifikation
Nachfolgeerklärung (N)
Inkrafttreten


 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Argentinien
30. November
1933
30. November
1933
Australien
28. Juni
1935
28. Juni
1935
Belgien
4. Februar
1925
4. Februar
1925
Belize
15. Dezember
1983 N
15. Dezember
1983
Bosnien und Herzegowina
2. Juni
1993 N
2. Juni
1993
Bulgarien
16. März
1923
16. März
1923
Chile
18. Oktober
1935
18. Oktober
1935
China

 

 

 

 
Hongkonga
6. Juni
1997
1. Juli
1997
Costa Rica
23. Juli
1991
23. Juli
1991
Dänemark
15. Februar
1938
15. Februar
1938
Färöer-Inseln
15. Februar
1938
15. Februar
1938
Deutschland
4. März
1930
4. März
1930
Dominica
28. Februar
1983 N
28. Februar
1983
Estland
3. März
1923
16. März
1923
Fidschi
19. April
1974 N
19. April
1974
Finnland
20. Januar
1950
20. Januar
1950
Frankreich
21. März
1929
21. März
1929
Französisch Guyana
27. November
1974
27. November
1974
Französische Süd- und

 

 

 

 
Arktisgebiete
13. März
1990
13. März
1990
Guadeloupe
27. November
1974
27. November
1974
Martinique
27. November
1974
27. November
1974
Réunion
27. November
1974
27. November
1974
Ghana
18. März
1965
18. März
1965
Grenada
9. Juli
1979 N
9. Juli
1979
Griechenland
16. Dezember
1925
16. Dezember
1925
Irak
19. April
1966
19. April
1966
Irland
5. Juli
1930
5. Juli
1930
Italien
8. September
1924
8. September
1924
Jamaika
8. Juli
1963
8. Juli
1963
Japan
22. August
1955
22. August
1955
Kanada
31. März
1926
31. März
1926
Kolumbien
20. Juni
1933
20. Juni
1933
Kroatien
8. Oktober
1991 N
8. Oktober
1991
Kuba
6. August
1928
6. August
1928
Lettland
29. August
1930
29. August
1930

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Libanon
6. Dezember
1993
6. Dezember
1993
Luxemburg
16. April
1928
16. April
1928
Malta
4. Januar
1965 N
4. Januar
1965
Mauritius
2. Dezember
1969 N
2. Dezember
1969
Mazedonien
17. November
1991 N
17. November
1991
Mexiko
20. Mai
1937
20. Mai
1937
Montenegro
3. Juni
2006 N
3. Juni
2006
Neuseelandb
11. Januar
1980
11. Januar
1980
Nicaragua
12. April
1934
12. April
1934
Niederlande
15. Dezember
1937
15. Dezember
1937
Niederländische Antillen
5. August
1957
5. August
1957
Nigeria
16. Juni
1961
16. Juni
1961
Norwegen
21. Juli
1936
21. Juli
1936
Panama
19. Juni
1970
19. Juni
1970
Papua-Neuguinea
1. Mai
1976 N
1. Mai
1976
Peru
4. April
1962
4. April
1962
Polen
21. Juni
1924
21. Juni
1924
Portugal
19. Mai
1981
19. Mai
1981
Rumänien
10. November
1930
10. November
1930
St. Lucia
14. Mai
1980
14. Mai
1980
Salomon-Inseln
6. August
1985 N
6. August
1985
Schweden
1. Januar
1935
1. Januar
1935
Schweiz
21. April
1960
21. April
1960
Serbien
24. November
2000
24. November
2000
Seychellen
6. Februar
1978 N
6. Februar
1978
Sierra Leone
15. Juni
1961
15. Juni
1961
Singapur
25. Oktober
1965 N
25. Oktober
1965
Slowenien
29. Mai
1992 N
29. Mai
1992
Spanien
20. Juni
1924
20. Juni
1924
Sri Lanka
25. April
1951
25. April
1951
Tunesien
14. April
1970
14. April
1970
Uruguay
6. Juni
1933
6. Juni
1933

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
Vereinigtes Königreich
12. März
1926
12. März
1926
Anguilla
29. Mai
1963
29. Mai
1963
Britische Jungferninseln
5. Oktober
1962
5. Oktober
1962
Falklandinseln
4. Juni
1962
4. Juni
1962
Gibraltar
4. Juni
1962
4. Juni
1962
Guernsey
12. März
1926
12. März
1926
Insel Man
12. März
1926
12. März
1926
Jersey
12. März
1926
12. März
1926
Montserrat
4. Juni
1962
4. Juni
1962
St. Helena
5. Oktober
1962
5. Oktober
1962

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 
a
Vom 20. Aug. 1963 bis zum 30. Juni 1997 war das Übereink. auf Grund einer
Ausdehnungserklärung des Vereinigten Königreichs in Hongkong anwendbar.
Seit dem 1. Juli 1997 bildet Hongkong eine Besondere Verwaltungsregion (SAR) der Volksrepublik China. Auf Grund der chinesischen Erklärung vom 6. Juni 1997 ist das Übereink. seit dem 1. Juli 1997 auch in der SAR Hongkong anwendbar.
b
Das Übereink. gilt nicht für die Tokelau-Inseln.

 

 

 

 

 


1 Der französische Originaltext findet sich unter der gleichen Nummer in der entsprechenden Ausgabe dieser Sammlung.
2 BS 14 51
3 AS 1960 461
4 SR 0.820.1
5 Fassung gemäss Art. 1 des Übereink. Nr. 116 vom 26. Juni 1961, genehmigt von der BVers am 2. Okt. 1962 (SR 0.822.721.6).
6 Eine aktualisierte Fassung des Geltungsbereichs findet sich auf der Internetseite des EDA (http://www.eda.admin.ch/vertraege).

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