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Verordnung des BLV über den Tierschutz beim Schlachten
Anhang 4
(Art. 15)


Kohlendioxid-Betäubung von Schweinen
1 Anforderungen an Anlagen und Geräte
1.1 Kohlendioxid-Betäubungsanlagen für Schweine müssen folgende Anforderungen erfüllen:
a. Der Einstieg in die Beförderungseinrichtung muss ebenerdig sowie schwellen- und gefällefrei angelegt sein.
b. Die Beförderungsvorrichtung sowie die Kammer, in der die Schweine dem CO2 ausgesetzt werden, müssen mit indirektem Licht beleuchtet sein.
c. Die Kammer muss permanent und gefahrlos einsehbar sein.
d. Die Schweine müssen ohne Einengung des Brustkorbes aufrecht und auf festem Boden stehen können, bis sie das Bewusstsein verlieren.
1.2 Es muss gewährleistet sein, dass die für die jeweilige Betäubungsanlage festgelegte Höchstkapazität (Anzahl Tiere pro Stunde) nicht überschritten werden kann. Die Mindestverweildauer in der festgelegten Mindestkonzentration an CO2 in Kopfhöhe der Schweine darf nicht unterschritten werden.
1.3 Die Mindestkonzentration an CO2 muss 84 Volumenprozent betragen. Die Mindestverweildauer in der CO2-Atmosphäre liegt bei 100 Sek.
1.4 Änderungen an den technischen Einstellungen dürfen nur von der dafür verantwortlichen Person vorgenommen werden; sie sind zu dokumentieren.
2 Messgeräte und Aufzeichnungen
2.1 Die Kammer, in der die Schweine dem CO2 ausgesetzt werden, muss an folgenden, deutlich gekennzeichneten Stellen mit Sensoren zur Messung der Gaskonzentration ausgestattet sein:
a. beim Eintauchen des Kopfes des Tieres in eine CO2-Konzentration von 84 Volumenprozent;
b. beim Auftauchen des Kopfes des Tieres aus einer CO2-Konzentration von 84 Volumenprozent.
2.2 Die Betäubungsanlage muss über eine Einrichtung verfügen, mit der die Verweildauer der Tiere in der festgelegten Mindestkonzentration an CO2 erfasst wird.
2.3 Die CO2-Konzentration und die Verweildauer der Tiere in mindestens 84 Volumenprozent CO2 müssen kontinuierlich aufgezeichnet werden; Abweichungen und die Massnahmen zur Behebung der Mängel sind zu dokumentieren.
2.4 Die Messgeräte nach den Ziffern 2.1 und 2.2 müssen jederzeit ablesbar sein und ein optisches und akustisches Warnsignal abgeben, wenn die festgelegte Mindestverweildauer oder die festgelegte Mindestkonzentration an CO2 unterschritten wird. Das Signal, das die Unterschreitung der Mindestkonzentration anzeigt, muss erfolgen, wenn die Mindestkonzentration an CO2 für mehr als 60 Sek. um 2 oder mehr Volumenprozent unterschritten wird.
2.5 Die Messgeräte nach den Ziffern 2.1 und 2.2 sind mindestens halbjährlich auf ihre Funktionsfähigkeit zu überprüfen, und die Ergebnisse sind zu dokumentieren.
3 Verbringen der Schweine in die CO2-Atmosphäre1
3.1 Automatisierter Gruppenzutrieb
3.1.1 Der automatische Einschubmechanismus eines seitlichen Gruppenzutriebs muss so arbeiten, dass keine zu grossen Kräfte auf die Schweine einwirken können. Der Druck, mit dem die Einschubtür möglichst unmittelbar an den Gondeleinstieg gefahren wird, ist auf einen maximalen Wert (Anzahl Tiere multipliziert mit 100 kg) zu begrenzen.
3.1.2 Bei Verwendung einer pneumatisch betriebenen Separierungstür vor dem Einschubabteil ist die Kraft, die seitlich auf ein Schwein ausgeübt wird, auf maximal 50 kg zu begrenzen.
3.1.3 Ist ein durch einen automatischen Treibschild gesteuerter, vorgelagerter Gruppierungsgang in den Zutrieb integriert, so ist eine tiergerechte Vortriebsgeschwindigkeit von 0,2-0,5 m/Sek. einzustellen. Der Treibschild darf einen maximalen Druck von 100 Kilogramm ausüben und muss bis unmittelbar an die allfällige Separierungstür herangefahren werden können.
3.2 Befördern der Tiere in der Betäubungsanlage
3.2.1 Die Schweine müssen unverzüglich und möglichst ohne Zwischenstopp, spätestens jedoch 20 Sek. nach dem Einschleusen des ersten Tieres in die Anlage, in die CO2-Atmosphäre mit der in Ziffer 7 aufgeführten Mindestkonzentration befördert werden.
3.2.2 Die Beförderungseinrichtungen müssen mit mindestens zwei Schweinen beladen werden; das Platzangebot muss für die Anzahl der Tiere angemessen sein.
4 CO2-Exposition
4.1 Die zum Betäuben der Schweine eingesetzte CO2-Konzentration muss mindestens 84 Volumenprozent CO2 betragen und innerhalb von 15 Sek., nachdem die Schweine die Luftatmosphäre verlassen haben, erreicht sein. Die Verweildauer der Schweine in mindestens 84 Volumenprozent CO2 muss mindestens 100 Sek. betragen. Eine Aufenthaltsdauer unter 100 Sek. kann nicht durch eine Erhöhung der CO2-Konzentration kompensiert werden.
4.2  In Systemen mit mehr als einem Halt in der CO2-Atmosphäre muss die Konzentration am tiefsten Punkt der Anlage mehr als 90 Volumenprozent in Kopfhöhe der Tiere betragen.
5 Kontrolle einer erfolgreichen CO2-Betäubung
5.1 Der Betäubungserfolg ist anhand folgender Leitsymptome zu überprüfen:
a. keine Reaktion auf Setzen eines Schmerzreizes (Ausfall des Nasenscheidewandreflexes);
b. Pupillenweitung;
c. kein spontaner Lidschluss;
d. Ausfall der regelmässigen Atmung, auch keine mehrmalige Schnappatmung in kurzen Abständen;
e. keine Lautäusserungen;
f. keine Aufrichtversuche, keine gerichteten Bewegungen;
g. vollständiges Erschlaffen des Körpers; und
h. keine Reaktion auf das Setzen des Entblutungsschnittes.
5.2 Der Erfolg der Betäubung ist verteilt über jeden Schlachttag stichprobenweise zu überprüfen. Dabei sind die Leitsymptome einer wirksamen CO2-Betäubung unmittelbar vor Beginn der Entblutung zu kontrollieren. Mangelhafte Betäubungen müssen dokumentiert werden.
5.3 Beträgt die Zahl der Tiere mit eindeutigen Symptomen einer ungenügenden Betäubung 1 % oder mehr, so müssen Massnahmen zur Fehlerkorrektur ergriffen werden; die Massnahmen sind zu dokumentieren.
6 Nachbetäubung
6.1 Unzureichend mit CO2 betäubte Schweine sind durch Bolzenschuss zu betäuben.
6.2 Im Bereich des Auswurfs aus der Betäubungsanlage bis zum Ende der Entblutungsstrecke ist ein geeigneter Bolzenschussapparat mit entsprechender Treibladung für den sofortigen Einsatz zur Nachbetäubung unzureichend betäubter Tiere einsatzbereit zu halten.
7 Parameter für die Betäubung mit CO2
7.1 Die CO2-Konzentration, die Verweildauer in der CO2-Atmosphäre und das Zeitintervall vom Auftauchen aus der CO2-Atmosphäre bis zum Beginn des Entblutens müssen wie folgt aufeinander abgestimmt sein:
CO2-Konzentration
Verweildauer
Zeitintervall bis zum Beginn der Entblutung
a.  mind. 84 Vol.% CO2
100 Sek.
max. 55 Sek. nach Auftauchen
b.  mind. 84 Vol.% CO2
120 Sek.
max. 60 Sek. nach Auftauchen
c.  mind. 84 Vol.% CO2
150 Sek.
max. 70 Sek. nach Auftauchen
d.  mind. 88 Vol.% CO2
150 Sek.
max. 100 Sek. nach Auftauchen
e.  mind. 90 Vol.% CO2
120 Sek.
max. 70 Sek. nach Auftauchen

 

 

 
7.2 Das maximal zulässige Zeitintervall vom Auftauchen aus der CO2-Atmosphäre bis zum Setzen des Entblutungsschnitts gilt für jedes einzelne Tier; bei mehreren Tieren in einer Gondel gilt es für das zuletzt zur Entblutung kommende Tier.
7.3 Die analoge Wirkung anderer Werte für die vorgegebenen Parameter muss durch die Betreiberin des Schlachtbetriebs mit einem Gutachten nach Artikel 24 Absatz 2 einer unabhängigen wissenschaftlichen Fachstelle nachgewiesen werden.
7.4 Das Gutachten muss eine erfolgreiche Betäubung bei mindestens 1000 Schweinen im Normalbetrieb belegen.
7.5 Im Gutachten müssen die Abstimmung der unter Ziffer 7.1 aufgeführten Parameter und die daraus resultierende Höchstkapazität der Betäubungseinrichtung (Anzahl Tiere pro Stunde) aufgeführt sein.


1 AS 2010 4957

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