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Tierseuchenverordnung
3. Titel

Bekämpfungsmassnahmen

3. Kapitel

Auszurottende Tierseuchen

9. Abschnitt

1 Transmissible spongiforme Enzephalopathien

B. Bovine spongiforme Enzephalopathie (BSE)

Überwachung


Art. 1792

Tiere der Rindergattung ab einem nachweislichen oder vermuteten Alter von 48 Monaten sind auf verändertes Prion-Protein zu untersuchen, wenn sie:
a. umgestanden sind;
b. nicht zum Zweck der Schlachtung getötet worden sind;
c. krank oder verunfallt zur Schlachtung gebracht worden sind.

Verdachtsfall


Art. 179a

1 Klinischer Verdacht auf BSE liegt vor, wenn bei Rindern:3
a. eine progressive Leistungsabnahme sowie andere für BSE typische Krankheitsmerkmale auftreten;
b. BSE klinisch nicht ausgeschlossen werden kann.
2 Labordiagnostischer Verdacht auf BSE liegt vor, wenn bei Rindern, bei denen kein klinischer Verdacht vorliegt, verändertes Prion-Protein nachgewiesen wurde.4

Massnahmen im Verdachtsfall


Art. 179b

1 Besteht ein klinischer Verdacht auf BSE, muss der Tierhalter einen Tierarzt beiziehen.
2 Der Tierhalter darf das verdächtige Tier weder töten noch schlachten.
3 Bestätigt die klinische Untersuchung den Verdacht auf BSE, so ordnet der Kantonstierarzt an, dass:5
a.6 das verdächtige Tier unblutig getötet und der Tierkörper direkt verbrannt wird;
b. der Kopf des Tieres in das Referenzlaboratorium eingesandt wird;
c. alle Tiere der Rindergattung registriert werden, die im Zeitraum von einem Jahr vor bis einem Jahr nach der Geburt des verseuchten Tieres geboren wurden und sich in diesem Zeitraum in einem Bestand, in dem das verseuchte Tier geboren und aufgezogen wurde, befunden haben.
4 Tritt bei einem Schlachttier auf dem Transport oder im Schlachtbetrieb ein Verdachtsfall nach Artikel 179a Absatz 1 ein, so muss dies unverzüglich der Fleischkontrolle gemeldet werden. Das Tier darf nicht geschlachtet werden.7
5 Wird verändertes Prion-Protein labordiagnostisch nachgewiesen, so muss das Probematerial zur Bestätigung des Befundes umgehend an das Referenzlaboratorium weitergeleitet werden.

Seuchenfall


Art. 179c

1 Der Kantonstierarzt ordnet bei Feststellung von BSE an, dass:
a. der verseuchte Tierkörper direkt verbrannt wird;
b. alle Tiere der Rindergattung klinisch untersucht werden, die aus einem Bestand sind, in welchem:
1. sich das verseuchte Tier unmittelbar vor der Tötung befunden hat,
2. das verseuchte Tier geboren und aufgezogen wurde;
c.8 alle Tiere der Rindergattung, die im Zeitraum von einem Jahr vor bis einem Jahr nach der Geburt des verseuchten Tieres geboren wurden und sich in diesem Zeitraum in einem Bestand nach Buchstabe b Ziffer 2 befunden haben, registriert und spätestens am Ende der Produktionsphase getötet werden;
d. alle direkten Nachkommen verseuchter Kühe, die in den zwei Jahren vor der Diagnose geboren wurden, getötet werden;
e.9 von allen getöteten Tieren der Rindergattung ab einem Alter von 24 Monaten Proben zur Untersuchung auf verändertes Prion-Protein entnommen werden;
f. die verseuchten Örtlichkeiten und Geräte gereinigt werden.
2 Der Kantonstierarzt bescheinigt dem Tierhalter den Abschluss der Massnahmen nach Absatz 1 und teilt ihm das Untersuchungsergebnis der Proben mit.

Entfernung des spezifizierten Risikomaterials und andere Massnahmen beim Schlachten und Zerlegen


Art. 179d

1 Als spezifiziertes Risikomaterial gelten der Schädel ohne Unterkiefer, das Hirn, die Augen und das Rückenmark von über 12 Monate alten Rindern.10
1bis Bei Rindern, die aus Staaten stammen, die über ein kontrolliertes oder über ein unbestimmtes BSE-Risiko nach der Entscheidung 2007/453/EG11 verfügen, gelten zusätzlich als spezifiziertes Risikomaterial:
a. von Rindern aller Altersgruppen: die Tonsillen, die letzten vier Meter des Dünndarms, das Caecum und das Mesenterium;
b. von über 30 Monate alten Rindern: die Wirbelsäule ohne Schwanzwirbel, die Dorn- und Querfortsätze der Hals-, Brust- und Lendenwirbel und die Crista sacralis mediana sowie der Kreuzbeinflügel einschliesslich der Spinalganglien.12
2 Das spezifizierte Risikomaterial ist direkt nach dem Schlachten als tierisches Nebenprodukt der Kategorie 1 nach Artikel 22 VTNP13 zu entsorgen.14
3 Die Hirnbasis darf nach dem Betäuben nicht zerstört werden.
4 Das BLV kann Ausnahmen von den Absätzen 1-3 gestatten, sofern die Schlachttierkörper oder Teile davon aus Ländern stammen, in denen BSE nachweisbar nicht vorkommt.
5 Das mechanische Entbeinen von Rinderknochen zur Herstellung von Separatorenfleisch ist verboten.
6 Die Fleischkontrolle und die Lebensmittelkontrolle überwachen die Durchführung der Massnahmen je in ihrem Zuständigkeitsbereich.


1 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 23. Juni 2004, in Kraft seit 1. Juli 2004 (AS 2004 3065).
2 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 8. Mai 2013, in Kraft seit 1. Juli 2013 (AS 2013 1467).
3 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2018, in Kraft seit 1. Juni 2018 (AS 2018 2069).
4 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2018, in Kraft seit 1. Juni 2018 (AS 2018 2069).
5 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2018, in Kraft seit 1. Juni 2018 (AS 2018 2069).
6 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2018, in Kraft seit 1. Juni 2018 (AS 2018 2069).
7 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2018, in Kraft seit 1. Juni 2018 (AS 2018 2069).
8 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 14. Jan. 2009, in Kraft seit 1. März 2009 (AS 2009 581).
9 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 25. April 2018, in Kraft seit 1. Juni 2018 (AS 2018 2069).
10 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Dez. 2015 (AS 2015 4255).
11 Entscheidung der Kommission vom 29. Juni 2007 zur Festlegung des BSE-Status von Mitgliedstaaten, Drittländern oder Gebieten davon nach ihrem BSE-Risiko, ABl. L 172 vom 30.6.2007, S. 84; zuletzt geändert durch Durchführungsbeschluss (EU) 2017/1396 vom 26. Juli 2017, ABl. L 197 vom 28.7.2017, S. 9.
12 Eingefügt durch Ziff. I der V vom 25. April 2018, in Kraft seit 1. Juni 2018 (AS 2018 2069).
13 SR 916.441.22
14 Fassung gemäss Ziff. I der V vom 28. Okt. 2015, in Kraft seit 1. Dez. 2015 (AS 2015 4255).

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