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SR 732.143.1

Verordnung über die Anforderungen an das Personal von Kernanlagen
5. Kapitel

Zulassung des Betriebspersonals


Zulassungspflicht


Art. 25

1 Für die Tätigkeit als Reaktoroperateur oder Reaktoroperateurin, Schichtchef oder Schichtchefin und Pikettingenieur oder Pikettingenieurin in Kernkraftwerken ist eine Zulassung erforderlich.
2 Für die Tätigkeit als Reaktoroperateur oder Reaktoroperateurin, Reaktortechniker oder Reaktortechnikerin und Reaktorphysiker oder Reaktorphysikerin in Forschungsreaktoren ist eine Zulassung erforderlich.

Zulassungserteilung


Art. 26

1 Die Zulassung wird vom Bewilligungsinhaber erteilt, wenn der Kandidat oder die Kandidatin:
a. die Prüfung der kerntechnischen Grundkenntnisse (Art. 27) sowie die entsprechende Zulassungsprüfung (Art. 28 und 29) bestanden hat.
b. die Anforderungen der Artikel 6, 7, 8, 15, 16 oder 17 erfüllt.
2 Jede Zulassung bedarf der schriftlichen Zustimmung des ENSI.1

Prüfung der kerntechnischen Grundkenntnisse


Art. 272

1 Die kerntechnischen Grundkenntnisse nach den Artikeln 6 Absatz 2 Buchstabe b, 15 Absatz 2 Buchstabe b, 16 Absatz 2 Buchstabe b und 17 Absatz 2 Buchstabe b werden im Rahmen einer Prüfung individuell geprüft.
2 Die Prüfung wird durch eine vom Bewilligungsinhaber bezeichnete Ausbildungsstätte durchgeführt.
3 Eine Prüfungskommission entscheidet über das Bestehen der Prüfung. Die Prüfung ist nur bestanden, wenn der Vertreter oder die Vertreterin der Ausbildungsstätte, des Bewilligungsinhabers und des ENSI zustimmen.
4 Die Prüfungskommission setzt sich aus mindestens je einem Vertreter oder einer Vertreterin der Ausbildungsstätte, des Bewilligungsinhabers und des ENSI zusammen.
5 Bei zulassungspflichtigen Funktionen in Forschungsreaktoren kann das ENSI Kandidaten und Kandidatinnen von der Prüfung der kerntechnischen Grundkenntnisse befreien, wenn sie die entsprechenden Kenntnisse anderweitig nachweisen können.
6 Das ENSI wird beauftragt, die Anforderungen an das Prüfungsverfahren und den Prüfungsinhalt in einer Richtlinie zu regeln.

Zulassungsprüfung in Kernkraftwerken


Art. 28

1 Die Reaktoroperateur-Zulassungsprüfung umfasst:
a. eine anlagenspezifische theoretische Prüfung;
b. eine anlagenspezifische praktische Prüfung.
2 Die Schichtchef-Zulassungsprüfung umfasst:
a. eine anlagenspezifische theoretische Prüfung;
b. eine anlagenspezifische praktische Prüfung.
3 Die Pikettingenieur-Zulassungsprüfung umfasst:
a. eine anlagenspezifische theoretische Prüfung;
b. eine anlagenspezifische praktische Prüfung im Rahmen einer Notfallübung.
4 Das Bestehen der Prüfung der kerntechnischen Grundkenntnisse (Art. 27) ist eine Voraussetzung zur Zulassung zur Reaktoroperateur-Zulassungsprüfung nach Absatz 1.
5 Das ENSI wird beauftragt, die Anforderungen an das Prüfungsverfahren und den Prüfungsinhalt in einer Richtlinie zu regeln.3

Zulassungsprüfung bei Forschungsreaktoren


Art. 29

1 Die Reaktoroperateur-Zulassungsprüfung umfasst:
a. eine anlagenspezifische theoretische Prüfung;
b. eine anlagenspezifische praktische Prüfung.
2 Die Reaktortechniker-Zulassungsprüfung umfasst:
a. eine anlagenspezifische theoretische Prüfung;
b. eine anlagenspezifische praktische Prüfung.
3 Die Reaktorphysiker-Zulassungsprüfung umfasst:
a. eine anlagenspezifische theoretische Prüfung;
b. eine anlagenspezifische praktische Prüfung;
c. einen Einsatz im Rahmen einer Notfallübung.
4 Das Bestehen der Prüfung der kerntechnischen Grundkenntnisse (Art. 27) ist eine Voraussetzung zur Zulassung zur Reaktoroperateur-Zulassungsprüfung nach Absatz 1, zur Reaktortechniker-Zulassungsprüfung nach Absatz 2 und zur Reaktorphysiker-Zulassungsprüfung nach Absatz 3.

Prüfungsverfahren und Prüfungsentscheid bei Zulassungsprüfungen


Art. 304

1 Zulassungsprüfungen werden vom Bewilligungsinhaber durchgeführt.
2 Eine Prüfungskommission entscheidet über das Bestehen der Prüfung. Die Prüfung ist nur bestanden, wenn die Vertreterinnen und Vertreter des Bewilligungsinhabers und des ENSI in der Prüfungskommission zustimmen.
3 Die Prüfungskommission setzt sich aus mindestens je drei Vertretern oder Vertreterinnen des Bewilligungsinhabers und des ENSI zusammen.
4 Das ENSI wird beauftragt, die Anforderungen an das Prüfungsverfahren und den Prüfungsinhalt in einer Richtlinie zu regeln.

Wirkung der Zulassungen


Art. 31

Die Zulassungen ermächtigen zur Übernahme der entsprechenden Funktion in derjenigen Anlage, für welche die Zulassungsprüfung durchgeführt worden ist. Weitgehend baugleiche Blöcke an einem Standort werden als eine Anlage behandelt.

Geltungsdauer der Zulassung


Art. 32

Eine Zulassung ist vom Zeitpunkt der Zulassungserteilung (Art. 26) oder der bestandenen Requalifikation (Art. 34) für den Rest des laufenden Jahres und zwei weitere Kalenderjahre gültig.

Entzug der Zulassung


Art. 335

1 Der Bewilligungsinhaber entzieht die Zulassung:
a. bei grobfahrlässiger oder mutwilliger Verletzung von in der Anlage gültigen Vorschriften, welche die nukleare Sicherheit oder die Sicherung gefährdet;
b. bei Straftaten, die zu einer negativen Risikoverfügung nach Artikel 4 der Verordnung vom 9. Juni 20066 über die Personensicherheitsprüfungen im Bereich Kernanlagen führen;
c. wenn die gesundheitliche Eignung nicht mehr gegeben ist;
d. bei einer Einsatzdauer von weniger als 20 Tagen innerhalb eines Jahres in der entsprechenden Funktionsstufe in Kernkraftwerken oder von weniger als fünf Tagen in Forschungsreaktoren. Das ENSI kann die Mitarbeit in praxisnahen Projekten in begründeten Fällen als Einsatz in der entsprechenden Funktionsstufe anrechnen.
2 Entzieht der Bewilligungsinhaber in den unter Absatz 1 genannten Fällen eine Zulassung nicht, so erklärt das ENSI die Zulassung für ungültig.
3 Der Bewilligungsinhaber kann zudem die Zulassung entziehen, wenn das Vertrauensverhältnis mit dem Arbeitnehmer oder der Arbeitnehmerin ernsthaft beeinträchtigt ist.
4 Wenn die gesundheitliche Eignung nach Artikel 24 wieder gegeben ist, kann der Bewilligungsinhaber die Zulassung für die restliche Gültigkeitsdauer wieder erteilen. Dies bedarf der Zustimmung des ENSI.
5 Das ENSI wird beauftragt, die Anforderungen an das Verfahren in einer Richtlinie zu regeln.

Requalifikation des zulassungspflichtigen Personals


Art. 34

1 Die Requalifikation dient dem Nachweis, dass der Zulassungsinhaber oder die Zulassungsinhaberin weiterhin die Anforderungen zur Ausübung seiner oder ihrer Funktion erfüllt und er oder sie mit der Weiterentwicklung der Anlage und der Vorschriften zur Betriebsführung Schritt gehalten hat.
2 Requalifikationen des zulassungspflichtigen Personals sind durch den Bewilligungsinhaber durchzuführen. Das ENSI kann bei der Requalifikation anwesend sein.7
3 Die Requalifikation erfolgt für die Stufe, auf welche die aktuelle Zulassung lautet.
4 Das Requalifikationsverfahren umfasst bei Kernkraftwerken:
a. eine praktische Überprüfung von Fachkompetenz, Teamarbeit und Kommunikation am Simulator;
b. eine theoretische Überprüfung des Verständnisses der am Simulator geübten Szenarien sowie des Wissens über Änderungen von Anlage und kraftwerksinternen Vorschriften;
c. eine vereinfachte Überprüfung der persönlichen Eignung.
5 Das Requalifikationsverfahren umfasst bei Forschungsreaktoren:
a. eine praktische Überprüfung von Fachkompetenz, Teamarbeit und Kommunikation;
b. eine theoretische Überprüfung des Verständnisses der Anlage sowie des Wissens über Änderungen von Anlage und anlageinternen Vorschriften;
c. eine vereinfachte Überprüfung der persönlichen Eignung.
6 Eine Requalifikation gilt als bestanden, wenn alle Überprüfungen nach Absatz 4 bzw. 5 ein positives Ergebnis haben.
7 Führen einzelne der Überprüfungen zu einem negativen Ergebnis, so können diese vor Ablauf der aktuellen Gültigkeitsdauer der Zulassung einmal wiederholt werden.
8 Wird bei einer Überprüfung ein gravierender Mangel festgestellt, so hat der Bewilligungsinhaber die betroffene Zulassung unverzüglich zu entziehen.
9 Die Requalifikation ist zu dokumentieren und die Unterlagen sind dem ENSI auf Verlangen zur Einsicht vorzulegen.8
10 Das ENSI wird beauftragt, die detaillierten Anforderungen an das Requalifikationsverfahren in einer Richtlinie zu regeln.9


1 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).
2 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).
3 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).
4 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).
5 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).
6 SR 732.143.3
7 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).
8 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).
9 Fassung gemäss Anhang Ziff. 14 der V vom 12. Nov. 2008 über das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat, in Kraft seit 1. Jan. 2009 (SR 732.21).

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