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SR 954.111

Verordnung der Eidgenössischen Finanzmarktaufsicht über die Finanzinstitute
2. Kapitel

Verwalter von Kollektivvermögen

2. Abschnitt

Risikomanagement und internes Kontrollsystem


Grundsätze des Risikomanagements und der internen Kontrolle


Art. 8

(Art. 41 Abs. 9 FINIV)
1 Verwalter von Kollektivvermögen müssen über ein internes Kontrollsystem verfügen, das auf einer systematischen Risikoanalyse beruht. Die Kontrollaktivitäten sind in die Arbeitsprozesse zu integrieren.
2 Das Organ für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle des Verwalters von Kollektivvermögen stellt mit diesem System und durch dessen Überwachung sicher, dass alle wesentlichen Risiken des Verwalters von Kollektivvermögen angemessen und wirksam festgestellt, bewertet, gesteuert und überwacht werden.
3 Bei der Festlegung der Risikotoleranz berücksichtigt das Organ für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle die Risikotragfähigkeit des Verwalters von Kollektivvermögen.
4 Bei Verwaltern von Kollektivvermögen, die über kein besonderes Organ für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle verfügen, obliegen die Pflichten der Absätze 2 und 3 dem Organ für die Geschäftsführung.

Umsetzung des Risikomanagements


Art. 9

(Art. 41 Abs. 9 FINIV)
Das Organ für die Geschäftsführung des Verwalters von Kollektivvermögen entwickelt geeignete Verfahren zur Konkretisierung der Kontrollaktivitäten, die in die Arbeitsprozesse integriert werden, und adäquate Prozesse zur Risikokontrolle.

Beurteilung der Risiken einer kollektiven Kapitalanlage


Art. 10

(Art. 41 Abs. 9 FINIV)
1 Der Verwalter offener kollektiver Kapitalanlagen beurteilt deren Liquidität und deren weitere wesentliche Risiken in regelmässigen Abständen unter verschiedenen Szenarien und dokumentiert sie.
2 Auf einen Einbezug von Szenarien kann verzichtet werden, sofern das Nettofondsvermögen nicht mehr als 25 Millionen Schweizerfranken beträgt.

Interne Richtlinien zu Risikomanagement und -kontrolle


Art. 11

(Art. 41 Abs. 9 FINIV)
1 Verwalter von Kollektivvermögen legen angemessene Risikomanagement- und Risikokontroll-Grundsätze sowie die Organisation des Risikomanagements und der Risikokontrolle in internen Richtlinien fest.
2 Sie beziehen dabei die Risiken mit ein, denen:
a. sie durch ihre gesamte Geschäftstätigkeit ausgesetzt sind oder sein könnten;
b. die von ihnen verwalteten Kollektivvermögen und die weiteren im Rahmen von Mandaten verwalteten Vermögen ausgesetzt sind oder sein könnten.
3 Die internen Richtlinien legen insbesondere fest:
a. die Zuständigkeiten innerhalb des Verwalters von Kollektivvermögen;
b. die Risikoarten auf der Ebene der Tätigkeiten des Verwalters von Kollektivvermögen, der Kollektivvermögen sowie der im Rahmen von Mandaten verwalteten Vermögen;
c. die Verfahren und Systeme zur Bewertung und Verwaltung aller wesentlichen Risiken des Verwalters von Kollektivvermögen und der Kollektivvermögen, insbesondere von deren Markt-, Liquiditäts- und Gegenparteirisiko;
d. die Aufgaben, die Verantwortlichkeiten und die Häufigkeit der Berichterstattung an das Organ für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle und an das Organ für die Geschäftsführung.
4 Bei der Ausgestaltung der internen Richtlinien und der Organisation des Risikomanagements ist der Art, dem Umfang und der Komplexität der Geschäfte, der Kollektivvermögen sowie der im Rahmen von Mandaten verwalteten Vermögen Rechnung zu tragen.
5 Für jede kollektive Kapitalanlage sind, insbesondere abhängig von den Anlagen, der Anlagepolitik, der Risikoverteilung, dem Anlegerkreis und der Rücknahmefrequenz angemessene interne Liquiditäts-Schwellenwerte zu definieren.

Interne Richtlinien zu Anlagetechniken und Derivaten


Art. 12

(Art. 41 Abs. 9 FINIV)
1 Der Einsatz von Anlagetechniken und Derivaten ist in internen Richtlinien festzuhalten und periodisch zu überprüfen.
2 Für den Einsatz von Derivaten regeln die internen Richtlinien nach Massgabe der Struktur und der Risiken des Verwalters von Kollektivvermögen folgende Bereiche:
a. Risikopolitik:
1. Derivate, die eingesetzt werden dürfen,
2. Anforderungen an die Gegenparteien,
3. Anforderungen an die Liquidität der Märkte,
4. beim Einsatz von Indexprodukten: Anforderungen an die Repräsentativität und an die Korrelation;
b. Risikokontrolle:
1. Feststellung, Bewertung und Überwachung der Risiken,
2. Kompetenzen und Limiten,
3. Risikomessverfahren,
4. Eskalationsverfahren bei Limitenüberschreitungen;
c. Abwicklung und Bewertung:
1. Dokumentation der Geschäfte,
2. einzusetzende Bewertungsmodelle,
3. zu verwendende Daten und Datenlieferanten.
3 Bei Anwendung des Modell-Ansatzes sind in den internen Richtlinien im Bereich der Risikokontrolle zudem zu regeln:
a. die Methode zur Verifizierung der Risikomessmodelle, insbesondere Value at Risk;
b. das Eskalationsverfahren und Massnahmen bei ungenügenden Resultaten von Verifizierungstests;
c. die Zusammensetzung der Vergleichsportefeuilles sowie deren Änderungen und die Überwachung des Prozesses zur Bestimmung des Vergleichsportefeuilles;
d. Stresstests.
4 Der Einsatz von Anlagetechniken und Derivaten sowie die Sicherheitenverwaltung und die daraus resultierenden Risiken sind angemessen in das Risikomanagement der verwalteten kollektiven Kapitalanlagen und Vermögenswerte von Vorsorgeeinrichtungen einzubeziehen.

Weitere Pflichten betreffend das Risikomanagement


Art. 13

(Art. 41 Abs. 9 FINIV)
1 Verwalter von Kollektivvermögen überprüfen regelmässig die Angemessenheit und die Wirksamkeit der Risikomanagement-Grundsätze und der Verfahren und Systeme und entwickeln diese entsprechend weiter.
2 Sie erstatten dem Organ für die Oberleitung, Aufsicht und Kontrolle und dem Organ für die Geschäftsführung Bericht über:
a. die Einhaltung der Risikomanagement-Grundsätze und der definierten Verfahren; und
b. die Angemessenheit und Wirksamkeit der Massnahmen zur Behebung allfälliger Schwächen des Risikomanagement-Prozesses.

Risikokontrolle


Art. 14

(Art. 41 Abs. 9 FINIV)
1 Verwalter von Kollektivvermögen verfügen zur Wahrnehmung der Risi-kokontrolle über ausreichend fachlich qualifiziertes Personal.
2 Die für die Risikokontrolle zuständigen Personen stellen fest, bewerten und überwachen:
a. die vom Verwalter von Kollektivvermögen eingegangenen Risiken;
b. die Risiken jeder einzelnen Position der verwalteten kollektiven Kapitalanlagen und deren Gesamtrisiko;
c. die Risiken jeder einzelnen Position der von Vorsorgeeinrichtungen verwalteten Vermögenswerte und deren Gesamtrisiko; und
d. die Risiken allfälliger übriger Verwaltungsmandate.
3 Die Risikokontrolle ist funktional und hierarchisch von den operativen Geschäftseinheiten, insbesondere der Funktion der Anlageentscheide (Portfoliomanagement), zu trennen. Sie muss unabhängig handeln können.


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